Den DMARC Analyzer verstehen — Alle Werte erklärt
Vollständiger Leitfaden zu jedem Wert, jeder Metrik und jeder Spalte im DMARC Analyzer — mit praktischen Beispielen zur Interpretation Ihrer Daten.
Die vier Übersichtskarten
Oben in jedem DMARC-Report sehen Sie vier farbige Karten, die Ihnen einen sofortigen Überblick über den Zustand Ihrer E-Mail-Authentifizierung geben:
1. E-Mails gesamt (Blau)
Die Gesamtzahl der E-Mails, die Empfänger während des Berichtszeitraums für Ihre Domain verarbeitet haben. Dies umfasst alle E-Mails — sowohl legitime als auch möglicherweise gefälschte.
- Hohe Zahlen von unbekannten IPs: Könnte darauf hindeuten, dass jemand Ihre Domain fälscht (Spoofing).
- Unerwartete Spitzen: Können auf eine Phishing-Kampagne mit Ihrer Domain hinweisen.
- Niedriger als erwartet: Ihr DMARC-Record empfängt möglicherweise nicht alle Reports. Prüfen Sie Ihren
rua-Tag.
2. DKIM Pass-Rate (Grün)
Der Prozentsatz der E-Mails, bei denen die DKIM-Signatur gültig und mit der "Von"-Domain ausgerichtet war. Ein DKIM-Pass bedeutet:
- Die E-Mail wurde kryptographisch von einem autorisierten Server signiert
- Die Signatur stimmt mit dem Nachrichteninhalt überein (nicht manipuliert)
- Die signierende Domain stimmt mit der "Von"-Domain überein (Alignment)
Zielwert: 95–100%. Unter 90%? Prüfen Sie, ob alle Ihre Versanddienste (Newsletter, CRM, Helpdesk) DKIM korrekt konfiguriert haben.
3. SPF Pass-Rate (Violett)
Der Prozentsatz der E-Mails, bei denen die IP des sendenden Servers durch Ihren SPF-Record autorisiert war und die Domain ausgerichtet war. SPF-Pass bedeutet:
- Die sendende IP ist in Ihrem SPF-DNS-Eintrag aufgelistet
- Die Envelope-"Mail From"-Domain stimmt mit dem "Von"-Header überein
Zielwert: 95–100%. Niedrigere Raten bedeuten oft, dass Sie Versanddienste haben, die nicht in Ihrem SPF-Record aufgelistet sind, oder Drittanbieter mit einer anderen Envelope-Domain senden.
4. Richtlinie (Orange)
Ihre aktuelle DMARC-Richtlinie, die Empfängern mitteilt, was mit nicht authentifizierten E-Mails zu tun ist:
- none: Nur Monitoring — keine Aktion. Gut zum Starten.
- quarantine: Verdächtige E-Mails landen im Spam-/Junk-Ordner.
- reject: Nicht authentifizierte E-Mails werden komplett blockiert. Maximaler Schutz.
Ziel: Arbeiten Sie auf p=reject hin. Starten Sie mit none, analysieren Sie Reports, beheben Sie Probleme, wechseln Sie zu quarantine und schließlich zu reject.
DMARC-Richtliniendetails — Die fünf Felder
Die Karte "Richtliniendetails" zeigt die DMARC-Richtlinie, die zum Zeitpunkt der Report-Erstellung für Ihre Domain veröffentlicht war. Hier ist, was jedes Feld bedeutet:
Domain
Die Domain, die dieser Report abdeckt. Das ist die Domain aus Ihrem DMARC-DNS-Eintrag (_dmarc.ihredomain.de).
Richtlinie (p)
Die Haupt-DMARC-Richtlinie. Dies ist die wichtigste Einstellung:
none | Keine Aktion. Nur Reports sammeln. Verwenden Sie dies beim ersten Einrichten von DMARC, um Ihre E-Mail-Flüsse zu verstehen, ohne die Zustellung zu gefährden. |
quarantine | Fehlgeschlagene E-Mails als verdächtig markieren. Sie landen typischerweise im Spam. Guter Zwischenschritt. |
reject | Fehlgeschlagene E-Mails komplett blockieren. Der Empfänger soll sie gar nicht zustellen. Maximaler Schutz, aber stellen Sie sicher, dass alle legitimen Quellen zuerst bestehen! |
Subdomain-Richtlinie (sp)
Richtlinie speziell für Subdomains (z.B. mail.ihredomain.de, newsletter.ihredomain.de). Wenn nicht gesetzt, gilt die Hauptrichtlinie (p) auch für Subdomains.
Best Practice: Setzen Sie sp=reject für ungenutzte Subdomains, um Subdomain-Spoofing zu verhindern.
DKIM-Ausrichtung (adkim)
Wie streng die DKIM-Signatur-Domain mit der "Von"-Domain übereinstimmen muss:
- Relaxed (r): Die DKIM-Signatur-Domain darf eine Subdomain der "Von"-Domain sein. Z.B. besteht eine Signatur von
mail.beispiel.defürbeispiel.de. Dies ist der Standard und für die meisten Setups empfohlen. - Strict (s): Die DKIM-Signatur-Domain muss exakt mit der "Von"-Domain übereinstimmen. Sicherer, kann aber legitime Mail von Subdomains brechen.
SPF-Ausrichtung (aspf)
Wie streng die SPF-Domain (Envelope "Mail From") mit der "Von"-Domain übereinstimmen muss:
- Relaxed (r): Die SPF-Domain darf eine Subdomain der "Von"-Domain sein. Standard und empfohlen.
- Strict (s): Exakte Übereinstimmung erforderlich. Kann Probleme mit weitergeleiteten Mails und einigen Drittanbieter-Diensten verursachen.
Quell-IP-Protokolle — Die Tabelle lesen
Die Quell-IP-Tabelle ist das Herzstück jedes DMARC-Reports. Jede Zeile repräsentiert eine Gruppe von E-Mails von derselben Quell-IP mit denselben Authentifizierungsergebnissen. Hier ist, was jede Spalte bedeutet:
Quell-IP
Die IP-Adresse des Servers, der die E-Mails gesendet hat. Das sagt Ihnen, wer E-Mails als Ihre Domain versendet. Häufige Szenarien:
- Ihre eigene Mailserver-IP: Legitime Mail von Ihrer Infrastruktur.
- Bekannte Dienst-IPs (Google, Microsoft 365, Mailchimp, etc.): Drittanbieter, die in Ihrem Namen senden.
- Unbekannte IPs: Entweder ein Dienst, den Sie vergessen haben, oder jemand versucht Ihre Domain zu fälschen. Recherchieren Sie die IP.
Header From
Die Domain im "Von"-Header der E-Mail — das, was der Empfänger als Absender sieht. Dies sollte Ihre Domain oder eine Subdomain sein.
Anzahl
Die Anzahl der E-Mails von dieser IP mit diesem exakten Authentifizierungsergebnis. Eine hohe Anzahl von einer unbekannten IP mit fehlgeschlagenem DKIM/SPF ist ein starker Hinweis auf Spoofing oder Phishing.
Disposition (Aktion)
Was der Empfänger tatsächlich mit diesen E-Mails gemacht hat, basierend auf Ihrer DMARC-Richtlinie:
| none | Keine Aktion. Die E-Mail wurde normal zugestellt. Passiert wenn Ihre Richtlinie p=none ist, oder wenn DKIM und SPF bestehen. |
| quarantine | Die E-Mail wurde in den Spam-/Junk-Ordner des Empfängers verschoben. |
| reject | Die E-Mail wurde abgelehnt/blockiert und nicht zugestellt. |
DKIM (Pass/Fail)
Ob die DKIM-Signatur der E-Mail gültig und mit Ihrer Domain ausgerichtet war:
- Pass ✓: Die E-Mail hatte eine gültige DKIM-Signatur von Ihrer Domain (oder einer ausgerichteten Subdomain).
- Fail ✗: Die DKIM-Signatur fehlte, war ungültig oder von einer Domain, die nicht mit Ihrer übereinstimmt. Häufige Ursachen: falsch konfigurierte DKIM-Schlüssel, E-Mail im Transit verändert, oder Spoofing-Versuch.
SPF (Pass/Fail)
Ob die sendende IP durch Ihren SPF-Record autorisiert war:
- Pass ✓: Die IP ist in Ihrem SPF-DNS-Eintrag aufgelistet und die Domain ist ausgerichtet.
- Fail ✗: Die IP ist NICHT in Ihrem SPF-Record, oder die Envelope-Domain stimmt nicht überein. Häufige Ursachen: neuer Dienst nicht zu SPF hinzugefügt, weitergeleitete E-Mail (bricht SPF), oder Spoofing.
Auth-Details
Detaillierte Authentifizierungsergebnisse einschließlich der spezifischen Domains und Selektoren, die für DKIM- und SPF-Prüfungen verwendet wurden. Nützlich zum Debuggen spezifischer Fehler.
Grüne Zeilen (DKIM Pass + SPF Pass) = Korrekt authentifizierte Mail. ✓
Rote/markierte Zeilen (irgendein Fail) = Muss untersucht werden. Entweder die Authentifizierung der Quelle reparieren, oder wenn es ein Spoofing-Versuch ist, wird Ihre
reject-Richtlinie ihn blockieren.
Compliance-Rate, Trends & Zielwerte
Ihre DMARC-Compliance-Rate ist der Prozentsatz der E-Mails, die DKIM oder SPF (mit Alignment) bestehen. Dies ist die wichtigste Einzelmetrik im DMARC Analyzer.
Compliance-Rate Zielwerte
| 98–100% | 🟢 Ausgezeichnet. Sicher genug für p=reject. |
| 90–98% | 🟡 Gut. Untersuchen Sie die fehlschlagenden Quellen. Meist müssen 1-2 Dienste DKIM/SPF-Fixes bekommen. |
| 70–90% | 🟠 Verbesserungsbedarf. Wahrscheinlich mehrere Versanddienste falsch konfiguriert. Noch kein Reject. |
| Unter 70% | 🔴 Kritisch. Große Lücken in der Authentifizierung. Bleiben Sie bei p=none und reparieren Sie zuerst alle Quellen. |
Das Trend-Diagramm lesen
Das Trend-Diagramm zeigt Ihre Compliance-Rate über die Zeit (7 Tage, 30 Tage, 90 Tage oder 12 Monate):
- Aufwärtstrend: Ihre Authentifizierungsverbesserungen wirken.
- Plötzliche Einbrüche: Ein neuer Dienst sendet ohne korrektes DKIM/SPF, oder eine DNS-Änderung hat Ihre Records beschädigt.
- Flache Linie bei 100%: Perfekt — alle legitime Mail ist authentifiziert.
- Spitzen im Gesamtvolumen + niedrige Compliance: Jemand führt möglicherweise eine Spoofing-Kampagne gegen Ihre Domain.
Der Weg zu p=reject
- Woche 1–2:
p=nonesetzen. Reports sammeln. Alle legitimen Versandquellen identifizieren. - Woche 3–4: DKIM und SPF für jede Versandquelle konfigurieren. Compliance-Rate beobachten.
- Monat 2: Sobald Compliance >95%, auf
p=quarantinewechseln. Überwachen ob legitime Mail im Spam landet. - Monat 3+: Sobald Compliance >98% und stabil, auf
p=rejectwechseln. Maximaler Schutz erreicht.
pct-Tag beim Übergang. Zum Beispiel wendet p=quarantine; pct=10 Quarantine nur auf 10% der fehlschlagenden E-Mails an, damit Sie schrittweise testen können.
Forensische (Failure) Reports — RUF
Forensische Reports (auch "Failure Reports" oder RUF-Reports genannt) sind detaillierte Berichte über einzelne E-Mails, die die DMARC-Authentifizierung nicht bestanden haben. Im Gegensatz zu Aggregate Reports (RUA), die zusammenfassen, liefern forensische Reports die tatsächlichen E-Mail-Details.
Was forensische Reports enthalten
- Original-E-Mail-Header: Einschließlich der gesamten Authentifizierungskette
- Von-Adresse: Der gefälschte oder falsch ausgerichtete Absender
- Betreffzeile: Hilft zu erkennen, ob es Phishing oder ein falsch konfigurierter Dienst ist
- Authentifizierungsergebnisse: Genau welche Prüfungen fehlgeschlagen sind und warum
- Sendende IP: Der Server, der die fehlgeschlagene E-Mail gesendet hat
Warum forensische Reports wertvoll sind
Während Aggregate Reports sagen "100 E-Mails von IP 1.2.3.4 haben DKIM nicht bestanden", sagen forensische Reports "hier ist die genaue E-Mail mit Betreff 'Rechnung #12345', die fehlgeschlagen ist, weil der DKIM-Selector falsch war". Das macht Debugging viel schneller.
Datenschutz-Hinweis
Nicht alle Provider senden forensische Reports wegen Datenschutzbedenken (sie enthalten E-Mail-Inhalte). Große Provider wie Google senden keine RUF-Reports. Microsoft und einige kleinere Provider schon.
Forensische Reports einrichten
Fügen Sie den ruf-Tag zu Ihrem DMARC-Record hinzu:
v=DMARC1; p=quarantine; rua=mailto:dmarc@beispiel.de; ruf=mailto:forensic@beispiel.de; fo=1
Der fo-Tag steuert, wann forensische Reports generiert werden:
fo=0— Nur wenn sowohl DKIM als auch SPF fehlschlagen (Standard)fo=1— Wenn entweder DKIM oder SPF fehlschlägt (empfohlen — mehr Daten)fo=d— Wenn DKIM fehlschlägtfo=s— Wenn SPF fehlschlägt
Häufige Muster & Was sie bedeuten
Hier sind die häufigsten Muster, die Sie im DMARC Analyzer sehen werden, und wie Sie sie interpretieren:
🟢 Muster 1: Hohes Volumen, alles bestanden
Viele E-Mails von Ihrer Mailserver-IP, alle DKIM Pass + SPF Pass, Disposition "none".
Bedeutung: Ihre legitime Mail ist korrekt authentifiziert. Alles funktioniert wie erwartet.
🟡 Muster 2: Drittanbieter-Dienst scheitert bei DKIM
E-Mails von einem bekannten Dienst (z.B. Mailchimp, Freshdesk) mit DKIM Fail aber SPF Pass.
Maßnahme: DKIM-Signierung in den Einstellungen des Dienstes einrichten. Die meisten Dienste stellen einen CNAME-Record bereit, den Sie in Ihr DNS eintragen.
🟡 Muster 3: Weitergeleitete Mail scheitert bei SPF
E-Mails von Uni- oder Firmen-Weiterleitungen mit SPF Fail aber DKIM Pass.
Bedeutung: E-Mail-Weiterleitung bricht SPF, weil die IP des Weiterleitungsservers nicht in Ihrem SPF-Record steht. Das ist normal und erwartet. DKIM besteht weiterhin, da Signaturen Weiterleitungen überleben. Ihre DMARC-Compliance wird durch DKIM aufrechterhalten.
🔴 Muster 4: Unbekannte IPs, alles fehlgeschlagen
E-Mails von unbekannten IPs mit DKIM Fail + SPF Fail, oft mit hohem Volumen.
Bedeutung: Jemand fälscht (spooft) Ihre Domain! Mit p=reject werden diese E-Mails blockiert. Genau davor soll DMARC schützen.
🔴 Muster 5: Eigene IP scheitert
E-Mails von Ihrer bekannten Mailserver-IP mit DKIM- oder SPF-Fehlern.
Maßnahme: Dringender Fix nötig. Prüfen Sie Ihre DKIM-Schlüssel (abgelaufen?), SPF-Record (IP fehlt?), und DNS-Einstellungen. Dies betrifft die Zustellung Ihrer legitimen Mail.
🟠 Muster 6: Disposition "quarantine" für legitime Mail
Bekannte gute Quellen werden in Quarantäne gestellt, weil sie die Authentifizierung nicht bestehen.
Maßnahme: Reparieren Sie die Authentifizierung für diese Quellen, bevor Sie zu p=reject wechseln. Erwägen Sie vorübergehend pct=50, um die Auswirkungen zu reduzieren, während Sie Probleme beheben.